Verfasst von der Redaktion von Vielohrsophen.de. Stand: 31. Juli 2026.
Am heutigen 31. Juli 2026 jährt sich der Beschluss der Weimarer Reichsverfassung zum 107. Mal. Die Nationalversammlung nahm den Verfassungstext 1919 in Weimar an und schuf damit die Grundlage der ersten parlamentarischen Demokratie auf gesamtdeutscher Ebene. Für die Bevölkerung bedeutete das neue Wahl- und Grundrechte – doch geltendes Recht war die Verfassung an diesem Tag noch nicht.
Die entscheidende Datumsfolge lautet:
- 31. Juli 1919: Die Nationalversammlung beschließt die Verfassung.
- 11. August 1919: Reichspräsident Friedrich Ebert unterzeichnet sie.
- 14. August 1919: Der Text wird verkündet und tritt in Kraft.
Der Verfassungsbeschluss im Weimarer Nationaltheater
Die Nationalversammlung tagte 1919 nicht in Berlin, sondern in Weimar. Im Deutschen Nationaltheater berieten die Abgeordneten über die politische Ordnung nach dem Ende des Kaiserreichs, dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der Revolution von 1918. Die Entscheidung vom 31. Juli war deshalb mehr als eine Abstimmung über Verwaltungsregeln: Deutschland sollte künftig eine Republik mit gewähltem Parlament sein.
Der historische Schauplatz kann leicht den Eindruck eines abgeschlossenen Gründungsmoments erwecken. Tatsächlich war der 31. Juli jedoch nur der parlamentarische Teil eines mehrstufigen Verfahrens. Die Nationalversammlung hatte den Text angenommen, aber noch fehlten die Ausfertigung durch das Staatsoberhaupt und die amtliche Verkündung.
Der digitalisierte Verfassungstext bei Wikisource dokumentiert die Ausfertigung durch Reichspräsident Friedrich Ebert. Eine historische Übersicht zur Weimarer Verfassung ordnet Beschluss und Unterzeichnung zeitlich ein.
Wie die Republik in den Alltag der Menschen rückte
Eine Verfassung verändert den Alltag nicht über Nacht. Sie legt zunächst fest, welche Rechte Menschen besitzen, wie politische Entscheidungen entstehen und an welche Regeln staatliche Stellen gebunden sind. Die Weimarer Reichsverfassung machte die Republik auf diese Weise in Wahllokalen, Behörden, Schulen, Betrieben und öffentlichen Versammlungen sichtbar.
Frauen und Männer als Wahlberechtigte
Besonders folgenreich war das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer. Frauen hatten bereits aufgrund einer Wahlrechtsverordnung vom November 1918 an der Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 teilnehmen können. Die Verfassung erfand das Frauenwahlrecht am 31. Juli daher nicht neu, verankerte die politische Gleichberechtigung aber in der republikanischen Ordnung.
Für die Reichstagswahlen schrieb sie ein allgemeines, gleiches, unmittelbares und geheimes Wahlrecht für Frauen und Männer ab 20 Jahren vor. Damit konnten deutlich mehr Erwachsene als im Kaiserreich über die Zusammensetzung des Parlaments entscheiden. Frauen waren nun nicht nur Wählerinnen, sondern konnten auch als Abgeordnete politische Verantwortung übernehmen.
Auch die grundsätzliche staatsbürgerliche Gleichstellung von Männern und Frauen erhielt Verfassungsrang. Zwischen einem verfassungsrechtlichen Anspruch und der gesellschaftlichen Wirklichkeit bestand allerdings weiterhin eine erhebliche Lücke. Traditionelle Rollenbilder, wirtschaftliche Abhängigkeiten und ältere Rechtsnormen verschwanden nicht mit einer Abstimmung.
Grundrechte mit konkretem Bezug zum täglichen Leben
Der zweite Hauptteil der Verfassung enthielt Grundrechte und Grundpflichten. Dazu gehörten die Gleichheit vor dem Gesetz, die Freiheit der Person, der Schutz der Wohnung, das Briefgeheimnis sowie Freiheiten der Meinung, Versammlung, Vereinigung und Religion.
Diese Bestimmungen betrafen sehr praktische Situationen: Durfte eine Zeitung Kritik veröffentlichen? Konnten Bürger einen politischen Verein gründen? Unter welchen Voraussetzungen durfte der Staat eine Wohnung durchsuchen oder persönliche Kommunikation kontrollieren? Die Verfassung gab darauf einen rechtlichen Rahmen, auch wenn Schutz und Durchsetzbarkeit nicht dem heutigen Grundrechtsverständnis entsprachen.

Hinzu kamen sozialpolitische Leitideen. Die Verfassung befasste sich mit Arbeit, Bildung, Eigentum und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihr berühmter Gedanke, Eigentum verpflichte, verband den Schutz privaten Besitzes mit der Erwartung, dass dessen Gebrauch dem Gemeinwohl dienen solle.
Parlamentarische Demokratie mit einem mächtigen Reichspräsidenten
Die neue Ordnung beruhte auf einem gewählten Reichstag. Die Reichsregierung benötigte politisches Vertrauen im Parlament, und Parteien wurden zu zentralen Akteuren der staatlichen Willensbildung. Bürger konnten die politische Richtung somit regelmäßig durch Wahlen beeinflussen.
Gleichzeitig gab die Verfassung dem Reichspräsidenten eine ungewöhnlich starke Stellung. Er wurde direkt vom Volk für sieben Jahre gewählt, ernannte und entließ den Reichskanzler sowie die Reichsminister und konnte den Reichstag auflösen. Artikel 48 erlaubte ihm unter bestimmten Voraussetzungen weitreichende Notmaßnahmen, wenn Sicherheit und öffentliche Ordnung als erheblich gefährdet galten.
Diese Kombination aus Parlament und starkem Präsidenten schuf zwei demokratisch legitimierte Machtzentren. In stabilen Zeiten konnte das handlungsfähig wirken. In politischen Krisen bestand jedoch die Gefahr, dass Präsidialbefugnisse parlamentarische Verfahren verdrängten. Die späteren Notverordnungen waren ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung, erklären das Scheitern der Weimarer Republik aber nicht allein.
Wirtschaftliche Krisen, politische Gewalt, antidemokratische Kräfte und fehlende tragfähige Mehrheiten wirkten ebenfalls zusammen. Die Verfassung setzte demokratische Regeln; sie konnte nicht garantieren, dass alle einflussreichen Gruppen diese Regeln dauerhaft verteidigten.
Warum die Weimarer Verfassung nicht mit dem Grundgesetz gleichzusetzen ist
Weimarer Reichsverfassung und Grundgesetz gehören unterschiedlichen historischen Situationen an. Beide ordnen einen republikanischen Staat und enthalten Grundrechte, doch das Grundgesetz von 1949 zog institutionelle Konsequenzen aus dem Scheitern der ersten deutschen Demokratie und der nationalsozialistischen Diktatur.
Der Bundespräsident besitzt heute wesentlich begrenztere politische Befugnisse und wird nicht direkt vom Volk gewählt. Ein Bundeskanzler kann durch den Bundestag nur mit einem konstruktiven Misstrauensvotum abgelöst werden, also durch die gleichzeitige Wahl eines Nachfolgers. Das soll verhindern, dass eine Regierung gestürzt wird, ohne eine neue parlamentarische Mehrheit zu bilden.
Zudem bindet das Grundgesetz Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung unmittelbar an die Grundrechte. Die Menschenwürde steht an seinem Anfang; zentrale Verfassungsprinzipien sind durch die sogenannte Ewigkeitsklausel besonders geschützt. Das Bundesverfassungsgericht ermöglicht darüber hinaus eine eigenständige verfassungsgerichtliche Kontrolle.
Diese Unterschiede machen die Weimarer Reichsverfassung nicht zu einer bloßen Vorstufe des Grundgesetzes. Sie war ein eigenständiger demokratischer Neubeginn unter den Bedingungen von 1919 – mit fortschrittlichen Rechten, aber auch institutionellen Risiken.
Was nach dem 31. Juli 1919 noch fehlte
Nach dem Beschluss musste die Verfassung ausgefertigt werden. Dies geschah am 11. August 1919, als Friedrich Ebert den Text unterzeichnete. Dieses Datum wurde später in der Weimarer Republik als Verfassungstag begangen, ist aber ebenfalls nicht mit dem Inkrafttreten zu verwechseln.
Erst die amtliche Verkündung vollendete das Verfahren. Am 14. August 1919 erschien die Verfassung im Reichsgesetzblatt und trat nach ihrer eigenen Schlussbestimmung am Tag der Verkündung in Kraft. Damit wurde aus dem Weimarer Beschluss geltendes Verfassungsrecht – zwei Wochen nach der Abstimmung vom 31. Juli.
Quelle: Wikisource
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Quellenprüfung Historische Einordnung
Der Beitrag unterscheidet zwischen parlamentarischem Beschluss, Unterzeichnung, Verkündung und Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung.
- Beschluss der Nationalversammlung am 31. Juli 1919
- Ausfertigung durch Friedrich Ebert am 11. August 1919
- Verkündung und Inkrafttreten am 14. August 1919
- Wahl- und Grundrechte im historischen Verfassungstext
- Quelle
- Verfassung des Deutschen Reichs von 1919
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-07-31 08:13
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