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Historisches Paderborner Rathaus mit deutscher Flagge vor einem bewölkten Himmel.

Paderborn entdeckt Fanny Nathans Vermächtnis neu

Von der Redaktion Vielohrsophen.de | 26. August 2026

Noch ist die Gedenktafel nahe dem Domplatz 14 verhüllt. Am Freitag, 4. September, soll sie gegen 12.30 Uhr enthüllt werden – an jenem Ort, an dem Fanny Nathan vor 170 Jahren die ersten Waisenkinder in ihrer Wohnung aufnahm.

Mit der Tafel eröffnet Paderborn seinen FrauenOrt NRW. Die öffentliche Würdigung gilt einer jüdischen Pionierin, die in der Stadt ein Waisenhaus gründete und bis zu ihrem Tod leitete. Nach Angaben der Stadt Paderborn beginnt der Festakt um 11 Uhr im Historischen Rathaus. Interessierte sind eingeladen.

Fanny Nathan gab jüdischen Kindern Bildung und Heimat

Am 1. März 1856 nahm Fanny Nathan die ersten Kinder in ihrer Wohnung nahe dem heutigen Domplatz 14 auf. Daraus entstand das jüdische Waisenhaus für die preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland.

Nathan musste bei der Gründung und Leitung zahlreiche Schwierigkeiten überwinden. Ihr Ziel war ein Ort, an dem jüdische Waisenkinder ein Zuhause, Bildung und Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben erhielten. Damit wurde Paderborn zum Wirkungsort einer Frau, deren soziale Arbeit weit über die Stadt hinausreichte.

Paderborn entdeckt Fanny Nathans Vermächtnis neu

Wie sie das Vorhaben verwirklichte, schildert Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen vom Soroptimist International Club Paderborn während des Festakts. Der Vortrag stellt Nathans praktische Aufbauarbeit und die Bedeutung des Waisenhauses für die aufgenommenen Kinder in den Mittelpunkt.

Die Geschichte des Waisenhauses endete in der NS-Zeit

Die Erinnerung an Fanny Nathan ist untrennbar mit dem späteren Schicksal des Hauses verbunden. 86 Jahre nach der Gründung ermordeten die Nationalsozialisten die letzten Waisenkinder. Die städtische Mitteilung nennt damit auch den gewaltsamen Endpunkt einer Einrichtung, die über Jahrzehnte Schutz und Ausbildung ermöglicht hatte.

Die neue Gedenktafel markiert bewusst den Ausgangsort dieser Geschichte: Nathans damalige Wohnung. Der Standort verbindet ihre persönliche Initiative mit der Entwicklung des jüdischen Waisenhauses Paderborn und der Verfolgung seiner letzten Bewohner.

Weshalb Paderborn zum FrauenOrt NRW wird

Das landesweite Projekt FrauenOrte NRW erinnert an historische Frauenpersönlichkeiten und ihr Lebenswerk. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren 60 Orte ausgewählt. Träger des Projekts ist der Frauenrat NRW.

Paderborn entdeckt Fanny Nathans Vermächtnis neu

Die Bewerbung für Paderborn ging vom Soroptimist International Club Paderborn aus. In der jüngsten Auswahlrunde erhielt der Vorschlag den Zuschlag: Fanny Nathan wurde als historische Persönlichkeit in das Projekt aufgenommen, Paderborn als Ort ihres Wirkens gewürdigt.

An der Vorbereitung beteiligten sich neben dem Club und der Stadt auch das Metropolitankapitel zu Paderborn, die Jüdische Kultusgemeinde sowie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn.

Vom Historischen Rathaus zur Gedenktafel

Das Programm beginnt am 4. September um 11 Uhr im Historischen Rathaus. Clubpräsidentin Julia Ures begrüßt die Gäste, anschließend spricht Bürgermeister Stefan-Oliver Strate ein Grußwort. Prof. Dr. Petia Genkova, stellvertretende Vorsitzende des Frauenrats NRW, stellt danach die Idee der FrauenOrte vor.

Auf den Vortrag über Fanny Nathan folgt ein kurzer gemeinsamer Weg zur verhüllten Gedenktafel nahe dem Domplatz 14. Gegen 12.30 Uhr soll sie zusammen mit einer Vertreterin des Frauenrats NRW enthüllt und der FrauenOrt Paderborn offiziell eröffnet werden. Eine Anmeldung, ein Eintrittspreis oder besondere Zugangsvoraussetzungen werden in der Mitteilung der Stadt nicht genannt.

Quelle: City of Paderborn Press Releases

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