2026-09-22 Aktuelle Nachrichten aus Deutschland und der Welt.
Eine menschenleere Straße in Karlsruhe mit Straßenbahnschienen und Gebäuden bei bewölktem Wetter.

ME/CFS in Karlsruhe: Wenn der Alltag zur unüberwindbaren Hürde wird

Für viele Menschen in Karlsruhe ist ein kurzer Spaziergang keine Frage der persönlichen Fitness, sondern eine existenzielle Entscheidung. Die neuroimmunologische Erkrankung ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) führt bei Betroffenen zu einer so extremen Erschöpfung, dass selbst alltägliche Handlungen wie der Weg zum Tisch zur physischen Überforderung werden können. Laut Schätzungen der Initiative „#LiegendDemo“ sind in Karlsruhe rund 6.000 Menschen – etwa zwei Prozent der Bevölkerung – von diesem Krankheitsbild betroffen.

Die unsichtbare Last der Betroffenen

Die Erkrankung, die häufig durch Virusinfektionen, COVID-19 oder in seltenen Fällen als Impfnebenwirkung ausgelöst wird, geht weit über eine gewöhnliche Erschöpfung hinaus. Paulina Zöller, die während der Pandemie erkrankte, musste mit 22 Jahren ihr Studium unterbrechen und ihren Alltag vollständig aufgeben. In der akuten Phase verbrachte sie bis zu 23 Stunden täglich liegend. Zu den Symptomen zählen neben massiver körperlicher und kognitiver Erschöpfung auch Nerven-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Viele Patienten sind aufgrund ihres instabilen Kreislaufs kaum in der Lage, sich aufrecht zu bewegen, und ziehen sich in abgedunkelte Räume zurück. Da die Krankheit als unheilbar gilt und lediglich Spontanremissionen möglich sind, ist die Lebensqualität der Betroffenen massiv eingeschränkt.

ME/CFS in Karlsruhe: Wenn der Alltag zur unüberwindbaren Hürde wird

Versorgungslage und politische Forderungen

Die Karlsruher Delegation der „#LiegendDemo“ hat ihre Anliegen nun direkt an die Erste Bürgermeisterin Bettina Lisbach herangetragen. Die Initiative kritisiert eine eklatante Unterversorgung im Stadtgebiet: Derzeit existieren lediglich zwei spezialisierte Anlaufstellen – ein Privatarzt in Rüppurr und ein Neurologe in Durlach –, die mit langen Wartezeiten verbunden sind. Oftmals würden Betroffene aufgrund unauffälliger Standard-Blutwerte fälschlicherweise in die Psychiatrie überwiesen, anstatt eine neurologische Diagnose zu erhalten. Angesichts der hohen Suizidrate, die mit der Erkrankung einhergeht, unterstreicht die Initiative die Dringlichkeit einer systematischen Verbesserung der medizinischen und sozialen Infrastruktur.

ME/CFS in Karlsruhe: Wenn der Alltag zur unüberwindbaren Hürde wird

Die Forderungen an den Gemeinderat umfassen:

Forderung Zielsetzung
ME/CFS-Ambulanz Schaffung einer spezialisierten medizinischen Anlaufstelle
Fortbildungen Verpflichtende Aufklärung für Mediziner zur Diagnose
Betreutes Wohnen Unterstützung für schwerstkranke Patienten
Behörden-Support Mehr Verständnis und soziale Unterstützung

Nächste Schritte im Rathaus

Die Erste Bürgermeisterin Bettina Lisbach nahm die Anliegen der Betroffenen entgegen. Sie kündigte an, den Austausch mit dem Städtischen Klinikum sowie dem Gesundheitsamt zu suchen, um die Versorgungssituation und die Unterstützungsmöglichkeiten in Karlsruhe konkret zu prüfen. Für die Betroffenen bleibt die politische Entscheidung über die Einrichtung einer spezialisierten Ambulanz der entscheidende nächste Meilenstein, um die medizinische Versorgungslücke in der Region zu schließen.

Quelle: City of Karlsruhe News

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten